Pro Sport Berlin 24 e.V.

 

 

Tauchlehrerprüfung 2016 in Kroatien, Sveta Marina

Organisiert vom Landestauchverband Sachsen und Sachsen-Anhalt machten sich am 23.09.2016, zehn Tauchlehreranwärter nach Kroatien (Sveta Marina) auf, um die TL-Praxisprüfung abzuschließen.Zuvor lernten sich die meisten Anwärter bereits während der Theorievorbereitung und der Theorieprüfung im Vereinsheim des TC Orca Halle e.V. am Hufeisensee kennen. Durchgeführt und organisiert wurde die Ausbildung von den VDST-Ausbildern Peter Syhre, Maik Römhold und Jens Koch.

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Ankunft in Sveta Marina

Die Praxisprüfung umfasste 4 Ausbildungs- und 7 Prüfungstauchgänge, und diverse Apnoeübungen, die innerhalb von 7 Tagen zu bewältigen waren. Für eine Woche herrschte demnach ein straffes Pensum bei dem von den Teilnehmern höchste Konzentration gefordert wurde. An einem solch schönen Ort, an dem zu dieser Zeit herrlichstes Sommerwetter den Tag bestimmte war es mit der Konzentration nicht immer einfach, denn Sveta Marina bietet gute Gründe, um hier seinen Jahresurlaub zu verbringen. Hinzu kommen die super Sichtweiten unter Wasser und die schönen Tauchplätze, wie dass Felsentor, Bambino Riff oder das Wrack der Lina, die während der Ausbildung betaucht wurden. An diesen Tauchplätzen möchte man am liebsten die Atmosphäre auf sich wirken lassen und entspannte Tauchgänge genießen. Die Herausforderung war es also, sowohl die Übungen unter Wasser im Vorführcharakter auszuführen, als auch den Erlebniswert nicht zu kurz kommen zu lassen. Denn man möchte den Tauchanfängern, die man später ausbildet, auch die schönen Seiten dieses Sportes zeigen können. Aufgaben, denen ein zukünftiger Ausbilder als Gruppenführer gewachsen sein muss.

Briefings

Die TL-Anwärter, zusammen mit den Ausbildern und den Tauchgästen fanden sich jeden Morgen um 9 Uhr zur Gruppeneinteilung in der Tauchbasis ein. Jeden Tag musste ein TL-Anwärter den Job des TLvD`s (Tauchlehrer vom Dienst) übernehmen. Dieser war dafür zuständig die Brevets aller Taucher zu verwalten, den Anwärtern zu erklären wo sie im Notfall an Sauerstoffsysteme gelangen, wo sich die nächste Druckkammer befindet. Des Weiteren musste der TLvD den bevorstehenden Tauchgang in seinen Einzelheiten beschreiben, z.B. welche Übungen stehen an, wo wird getaucht, welche Tiefen und Zeiten sollen eingehalten werden. Hinweise auf Gefahren und Problemlösungen sollten hierbei besprochen werden. Hier konnten die Gruppenführer und die Mittaucher ungeklärte Fragen loswerden, sodass es zu keinen Missverständnissen in den bevorstehenden Gruppenbriefings und während der Tauchgänge gab. Bei jedem Tauchgang wurden insgesamt drei Gruppen festgelegt. Jede Gruppe bestand aus einem Ausbilder, einem Gruppenführer und diversen Mittauchern (Tauchgäste eingeschlossen). Die Gruppenkonstellationen variierten von Tauchgang zu Tauchgang, sodass am Ende jeder mit jedem einmal tauchen war. Wenn es keine weiteren Fragen gab, übergab der TLvD den Gruppenführern die Verantwortung, wenn der TLvD nicht gerade selbst als Gruppenführer vorher festgelegt wurde. Dann begannen die Briefings in den einzelnen Gruppen. Hier wurde sehr schnell klar, wie wichtig ein ordentlich durchgeführtes Briefing vor dem Tauchgang ist und dass es nicht allein damit getan ist den bevorstehenden Tauchgang im Ablauf zu beschreiben und die Ausrüstung gegenseitig zu checken. Die Ausbilder legten vor allem sehr viel Wert darauf, dass der Gruppenführer seinen Mittauchern die Gefahren erläuterte, die in den jeweiligen Übungen bei entsprechenden Tiefen im geplanten Tauchprofil auftreten konnten und was zu tun ist um diesen vorzubeugen. Des Weiteren musste klar festgelegt werden in welcher Konstellation die Gruppe unterwegs sein wird und wer welche Aufgabe in der Übung übernimmt. Somit wurde jedem Taucher eine oder mehrere Rollen zugewiesen, denn es kam des Öfteren vor, dass auch der Gruppenführer selbst die Übung, wie z.B. den Aufstieg unter Wechselatmung, durchführen musste. In diesem Fall war es wichtig zu klären, wer dann stellvertretend die Gruppenführung übernimmt. Absprache und Einigung auf besondere Unterwasserzeichen sind ebenfalls ein Muss, um Missverständnisse in der Kommunikation unter Wasser zu vermeiden. Da nicht jeder Taucher mit der gleichen Ausrüstung taucht, führte dies zu einem ausführlichen Ausrüstungscheck. Hierbei wurde besonders darauf eingegangen, dass jeder Taucher seine Ausrüstung seinen Mittauchern so verständlich wie möglich erklärte und diese zusätzlich vorführte. Z.B.:“Was habe ich für ein DTG, wieviel Luft habe ich bei, wie funktioniert mein Jacket, wie bekommt man mich im Notfall schnellstens aus der Ausrüstung und wie entfernt man mein mitgeführtes Blei“. Alles in allem bekam man spätestens jetzt den Eindruck „Es wird Ernst und der Weg zum Tauchlehrer ist kein Spaziergang“.

Flossenschwimmen


 

Bevor es allerdings mit Gerät ins Wasser ging, mussten die Anwärter erstmal 1000m Flossenschwimmen durchstehen. Die Distanz wurde in der Bucht von Sveta Marina zurückgelegt. Zweimal hin und zurück lautete die Anweisung. Gestartet wurde an der Pier, wo sonst das Boot für Tauchausfahrten ablegt. Einige entschieden sich für Neopren, andere gingen ohne Neopren ins Wasser und beschränkten sich auf die ABC-Ausrüstung. Es sollte sich ein spannender Wettkampf entwickeln bei dem am Ende alle Anwärter des Pro Sport Berlins die Nase vorn hatten. Wichtig war hierbei allerdings die Distanz durchzustehen und einen sauberen Flossenschlag zu demonstrieren. Dies gelang allen Anwärtern. Am Ende war jeder froh, dass die erste Übung vorüber war. Nun konnte es endlich an die Geräte gehen.

Der erste Tauchgang

Der erste Tauchgang (Gewöhnungstauchgang) am 24.09. diente den Anwärtern dazu ihre mitgebrachte Ausrüstung unter Wasser zu überprüfen. Die Anwärter nutzten diesen Tauchgang um, entsprechend des Salzgehaltes und der gewählten Ausrüstungskonfiguration, die richtige Bleimenge zu bestimmen. Aber auch erste Übungen wurden schon bei diesem Tauchgang durchgeführt. Die Anwärter mussten zu Beginn den Wasser-Nase-Reflex checken und die Ausrüstung an der Wasseroberfläche, ohne Hilfe des Tauchpartners aus- und wieder anziehen. Des Weiteren wurde während des Tauchgangs schon das Übergeben des Hauptatemreglers an den Tauchpartner geübt, denn bei weiteren Prüfungstauchgängen musste öfters Luftmanagement betrieben werden, um die Reserve in der Taucherflasche nicht zu unterschreiten. Da jeder Taucher sein eigenes Atem-Minuten-Volumen hat und die Größen der Flaschen von Taucher zu Taucher variieren war das Luftmanagement auch in Tauchgängen erforderlich, wo es nicht Bestandteil der Übung war. Somit wurden die Anwärter dazu gebracht selbstständig Probleme unter Wasser zu lösen oder diese schon im Briefing vorher zu Besprechen.

Die Übungen



Einige Übungen, welche in den einzelnen Prüfungstauchgängen durchgeführt wurden, waren bei den Anwärtern weitestgehend bekannt. Aber es gab auch neue Herausforderungen zu bewältigen, die man nicht unbedingt bei einem Spaßtauchgang durchführt. Hierzu zählte die Übung, bei 35 - 40 m Tiefe „Hinterhertauchen ohne Atemregler im Mund mit Zeichengebung an den voraustauchenden Tauchpartner, dass man keine Luft bekommt, sodass dieser seinen Hauptatemregler abgibt“. Eine Übung, die eine Situation darstellen soll auf die man nicht vorbereitet ist, aber trotzdem so reagieren muss, um dem Betroffenen bestmöglich zu helfen. Einige Anwärter sorgten allerdings selbst für unvorhersehbare Situationen auf die reagiert werden musste. So kam es bei einigen Tauchgängen vor, dass beim Bubble-Check bei einem Taucher kleine Bläschen aus dem Fini- und Inflatorschlauch festgestellt wurden. Ein perfektes Praxisbeispiel, was man nicht besser demonstrieren kann. Es waren also auch spontane Reparaturen an den 1. Stufen notwendig, die die Anwärter forderte. Hier kam vor allem die gute Hilfsbereitschaft der Anwärter untereinander zum Tragen. Denn nicht jeder hatte für alles ein Backup-Tool dabei. So half man sich untereinander, um seinen Tauchkameraden wieder eine funktionierende Ausrüstung herzustellen. Die meisten Tauchgänge waren tiefe Tauchgänge, die in einer max. Tiefe um die 40m stattfanden. Hier wurden Übungen wie der Aufstieg ohne Flossenbenutzung, Aufstieg unter Wechselatmung, Luftmanagement und ein Wracktauchgang (Lina) durchgeführt. Einen weiteren hohen Lerngrad stellte der Wiederholungstauchgang mit Deko- und Luftmanagement dar. Hier wurde im vorangehenden Briefing eine Luftverbrauchsberechnung durchgeführt, um zu ermitteln wieviel Luft in Litern beim bevorstehenden Tauchgang benötigt wird. Die Luftverbrauchsberechnung war abhängig davon wie die einzelnen Tauchcomputer der Taucher eingestellt waren. Der Tauchcomputer, der zuerst in die Deko kommt bestimmt am Ende die Länge des Aufenthalts auf den Tiefen für die Dekopausen. Da der Tauchgang so vorgesehen war, dass alle Computer irgendwann in die Dekozeit kommen müssen konnte es leicht vorkommen, dass der Computer mit der konservativsten Einstellung schon bei zwei Dekostops war oder unter Umständen noch einen Deepstop auf halber Tiefe aufzeigte. Die Berechnung ergab, dass aufgrund des langen Aufenthalts in einer Tiefe von 40 m selbst eine 15 l Flasche nicht ausreichen würde. Die Anwärter vergleichten Theorie mit Praxis und stellten fest, dass bei der Berechnung nur ein bestimmtes Atem-Minuten-Volumen angesetzt werden kann. Jeder Taucher in einer Gruppe atmet allerdings unterschiedlich. Der eine braucht etwas mehr Luft, der andere ist vielleicht entspannter oder muss sich aufgrund seiner Ausrüstungskonfiguration nicht ganz so sehr anstrengen und braucht daher viel weniger Luft. Also hieß das Zauberwort auch für diesen Tauchgang Luftmanagement, sodass alle Taucher mit 50 bar wieder aus dem Wasser kommen. Die Praxis zeigte, dass dies genau so funktionierte, wie es ursprünglich gebrieft worden war. Es gab auch Übungen, die die Orientierung unter Wasser verlangten. Hier ließen sich die Ausbilder, bei der Orientierung ohne technische Hilfsmittel, ein paar Extraübungen einfallen, die aus dem Spezialkurs Problemlösung beim Tauchen bekannt sind. Während des Tauchgangs in max. 15 m Tiefe führte der Ausbilder die Gruppe zu einem bestimmten Platz. Dort wurde dann das Befreien aus einer Leine, das Abdrehen der eigenen Flasche bei Abblasen des Atemreglers und das aus- und wieder anziehen einer Flosse durchgeführt. Manche Tauchgruppen hatten sich bei diesem Tauchgang so sehr auf die Extraübungen vorbereitet und konzentriert, dass die Orientierung beim Tauchen zur Einstiegsstelle eine kleine Herausforderung darstellte. Am Ende sollte es allerdings jeder Tauchgruppe gelingen die Einstiegsstelle wiederzufinden. Zur Halbzeit der Ausbildung fand der sogenannte Badevormittag statt. Alle Anwärter fanden sich nach dem Briefing am Strand ein um die Apnoeübungen durchzuziehen. Hier mussten die Anwärter 10m tief zu einem Gerätetaucher tauchen und ihren Namen auf eine Tafel schreiben. Danach folgte das Streckentauchen im Hafenbecken. Die Anwärter tauchten an einer Boje 5m tief ab und legten eine Strecke von 25 m zurück. Am Ende der Strecke durfte erst aufgetaucht werden, wenn man unter Wasser einen Palsteak geknotet hatte. Als letztes fand das Zeittauchen statt. Die Zeitvorgabe betrug 1 min. Manche Anwärter sahen es bei dieser Übung etwas sportlicher und blieben etwas länger unter Wasser. Da alle Anwärter bei den Apnoeübungen ca. 2 Stunden im Wasser verbrachten machte sich bei einigen ein leichtes Frieren bemerkbar, was beim Zeittauchen nicht sehr förderlich war.

Der letzte Tag

 

 


Für den letzten Tag der Ausbildung am 30.09. hatten sich die Ausbilder einen ganz besonderen Tauchgang überlegt. Nach dem die Anwärter bereits 10 Tauchgänge unter Prüfungsbedingungen in den Knochen hatten sollte der 11 Tauchgang nichts anderes sein, als noch einmal einen Aufstieg unter Wechselatmung aus einer Tiefe von 40m durchzuführen. Große Verwirrung machte sich bei den Anwärtern breit. Bei manchen kam ein wenig Missmut zum Ausdruck. Aber um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen, musste auch dieser Tauchgang bewältigt werden. Das Briefing fand ordnungsgemäß um 9 Uhr in der Tauchbasis statt. Man bekam den Eindruck, als ob dies das ernsteste Briefing des gesamten Lehrgangs war. Der TLvD übergab nach langer Diskussionsrunde die Verantwortung an die Gruppenführer. Plötzlich ergriff der Ausbilder Peter Syhre das Wort und sagte, „Ihr könnt heute Tauchen wie ihr wollt“. Es herrschte noch mehr Verwirrung als zuvor. Aber es machte sich Erleichterung breit als allen Anwärtern klar wurde „wir haben es geschafft“. Es folgte ein entspannter Spaßtauchgang.Natürlich war auch bei diesem Tauchgang darauf zu achten, dass man nicht vom bisher gelernten abweicht, aber es lief alles mit weniger Hektik und mehr Entspannung ab. Ein wunderschöner Tauchgang an den Steilwänden von Sveta Marina rundete die Tauchlehrerausbildung ab.

Die Lizenzverleihung


Nachdem sich die Anwärter vom morgendlichen Spaßtauchgang erholt hatten und das Tauchgerödel schon in die Autos verfrachtet war folgte das gemeinschaftliche Abendessen mit anschließender Lizenzverleihung im Restaurante bei Rámes. In diesem Restaurante fand über die Woche auch die tägliche Mittagsmahlzeit statt. Die große Frage stellte sich bei einigen Anwärtern, „Hab ich bestanden oder nicht?“. Zum Abendessen gab es riesige Fleischplatten mit den verschiedensten Sorten Fleisch, dazu Pommes und Salat. Hungrig ging hier keiner raus. Nach dem Essen übernahm Peter Syhre das Wort. In der Zwischenzeit waren auch Walter, der Tauchbasisleiter und ein paar seiner Angestellten zur Feier hinzugekommen. Peter Syhre zeichnete die Tauchbasis, wegen ihrer guten Organisation und der wunderbaren Zusammenarbeit im Namen des VDST mit einer Urkunde aus.

 


Walter empfand dies als eine große Ehre und gab dies zum Besten. Danach folgten die Verleihungen der Tauchlehrerlizenzen. Als auch der zehnte und damit letzte Anwärter aufgerufen wurde, war es offiziell. Alle Tauchlehreranwärter haben in Sveta Marina die praktische Prüfung bestanden. Es folgte eine schöne Feier mit ausgelassener Stimmung, denn man hatte sich nach dieser Woche schon sehr gut kennengelernt. Natürlich hatten sich die Ausbilder auch für die Feier noch ein paar Übungen für die neuen Tauchlehrer ausgedacht. Aber um herauszufinden, was diese beinhalten muss man selbst Tauchlehrer werden…

Die neuen Tauchlehrer im VDST

Diana Stucki TL** Tauchclub Atlantis Hettstedt
Thilo George TL** TSG Kierspe
Herwig Hoffmann TL** TCB Tauchsport-Club Berlin
Matthias Mohr TL* Tauchclub Atlantis Hettstedt
Michael Kausch TL* Tauchclub Atlantis Hettstedt
Thomas Sucker TL* Tauchclub Atlantis Hettstedt
Denis Marquardt TL* Pro Sport Berlin 24 e.V.
Steffen Leuschel TL* Pro Sport Berlin 24 e.V.
Bettina Schulz TL* Pro Sport Berlin 24 e.V.
Marcel Favretto TL* Sportverein Hamburg Sparte Tauchen
Die neuen Tauchlehrer danken den VDST-Ausbildern Peter Syhre, Maik Römhold und Jens Koch für die gut organisierte und sehr lehrreiche Veranstaltung sowohl am Hufeisensee (Theorie), als auch in Sveta Marina (Praxis).

 


Die Ausbilder übten stets angemessene Kritik aus, sodass sich der Anwärter während dieser Woche immer wieder verbessern konnte. Jeder neue TL nimmt aus dieser Ausbildung eine ganze Menge mit, um zukünftig Tauchanfänger richtig und nach den Vorgaben des VDST auszubilden.


Denis Marquardt